Die Podcastin mit Balls: Isabel Rohner und Regula Staempfli über Frauen im Sport, FAZ Schrumpelgurke, blinde Flecken bei Ronzheimer und weshalb Sklavenmutterschaft (Stichwort Jens Spahn) populaer vermarktet wird. Und mit einer Empfehlung für einen Besuch nach St. Gallen: “Frauen. Weibliche Lebenswelten im Mittelalter.” Heldin Sophie Cunningham.
“Jeder Mensch hat ein Brett vor dem Kopf – es kommt nur auf die Entfernung an.” Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916). Hier geht die goldene Schrumpelgurke der Woche an die F.A.Z. und TAZ mit unterirdischen Fehlberichterstattungen, Desinformation und Frauenhass in Sachen Sophie Cunningham als “Maga-Barbie” (erfunden von ältlichen, frauenfrustrierten N.Y. Korrespondenten der FAZ…)
Die Podcastin startet mit einem Ausflug ins 19. Jahrhundert, wo Modernität und Backlash aufeinandertrafen.
Apropos 19. Jahrhundert: Hedwig Dohm hat seit einer Woche eine brandneu gemachte Homepage! Dank der Designerin Rona Duwe erstrahlt www.hedwigdohm.de in neuem Glanz. Interessierte erfahren dort alles über die Edition Hedwig Dohm (erste kommentierte Gesamtausgabe der Werke der feministischen Ikone Hedwig Dohm, herausgegeben von Nikola Müller und Isabel Rohner) und das Hedwig Dohm Trio! Schaut vorbei!
Regula Stämpfli und Isabel Rohner würden so gerne über Frauen in Literatur, Kultur, Geschichte, Politik, Architektur, Musik und Technologie sprechen – werden aber immer wieder gezwungen, sich mit dem leidigen Thema “Wer ist eigentlich alles eine Frau” auseinanderzusetzen. Wie gut, geht das auch mit Humor! Ah, und laStaempfli bringt noch Thesen, weshalb Frauen Frauen verletzen.
In der US-amerikanischen Frauen-Basketball-Liga tobt gerade der ideologische Kampf, ob nicht auch Männer mitspielen dürfen, wenn sie behaupten, “transgender” bzw. “eine Frau” zu sein. Schon interessant, dass es solche Diskussionen in der Männer-Liga nicht gibt. Vielleicht weil die Durchschnittsgröße der männlichen Stars bei 2,01 m (!) liegt und keine transidentifizierte Frau (sog. “Transmann”) hier mithalten könnte?
Jedenfalls haben sich nun ZACK ein paar ehemalige NBA-Stars gefunden, unter anderem Enes Kanter Freedom und Royce White, die ankündigen, 2027 in der Frauen-Liga starten zu wollen. Sie erfüllen schließlich sämtliche Kriterien (nämlich gar keine)! Grandios, findet die Rohnerin – endlich solidarisieren sich Männer mit den Frauen. Auf Männer wird nämlich gehört, während die Frauen über Jahre ignoriert wurden. Wie nun der Basketball-Verband reagieren wird? Schauen wir mal. Die “Commissioners” haben angekündigt, in der kommenden Woche darüber zu beraten, wer denn als Frau gelten solle und wer nicht. Die Rohnerin schlägt – Achtung, Ironie! – ein Examen vor: Erst ein bisschen Catwalk, dann ein Schminktest, gefolgt von der urweiblichen Kompetenz des Wäschezusammenfaltens, abschließend ein mündliches Examen über die Grundwerte von DEI…!
Ausstellungstipp! In der St. Galler Stiftsbibliothek – eine der ältesten und schönsten Bibliotheken der Welt – gibts noch bis zum 8. November 2026 “Weibliche Lebenswelten im Mittelalter” zu sehen. Und besonders schön: Die Ausstellung ist integrativer Bestandteil der Dauerausstellung. Darum sollte sich am 8. November auch nicht enden, finden Rohnerin und LaStämpfli
Regula Staempfli bringt die erkenntnistheoretische Verdummung von Populärtrends, gerade auch unter den Aktivistinnen, in zehn Thesen auf den Punkt: Für mehr Lektüre verweist laStaempfli auf www.regulastaempfli.eu
1. Die Distanzierungsthese
Junge Journalistinnen gewinnen Aufmerksamkeit, indem sie sich demonstrativ von älteren Feministinnen absetzen. Der Angriff auf die Vorgängerinnen erzeugt mehr Öffentlichkeit als ihre Würdigung.
2. Die Individualisierungsthese
Wer in einer Kultur sozialisiert wird, die Selbstoptimierung über Solidarität stellt, erlebt Feminismus schnell als Einschränkung der eigenen Individualität. Aus struktureller Kritik wird ein persönlicher Vorwurf.
3. Die Marktthese
Provokation verkauft sich. Eine Überschrift wie “Ich hasse Feministinnen” erzielt weit mehr Klicks als eine differenzierte Auseinandersetzung mit feministischer Theorie.
4. Die Anerkennungsthese
Viele junge Autorinnen schreiben zunächst für bestehende Machtzentren. Die Kritik an Feministinnen signalisiert Unabhängigkeit und erleichtert den Zugang zu Redaktionen, die den Feminismus bereits für erledigt erklären.
5. Die Fortschrittsthese
Jede Generation konstruiert ihre Vorgängerinnen als rückständig, um sich selbst als Fortschritt inszenieren zu können. Die Auseinandersetzung mit dem Vater wird nicht gewagt, die furchtbare Zerstörung an den Müttern symbolisch, kulturell, medial überall gefeiert.
6. Die Entpolitisierungsthese
Feminismus erscheint nicht mehr als Analyse gesellschaftlicher Machtverhältnisse, sondern als Lifestyle oder Identität. Dadurch wird politische Kritik als persönliche Moral umgedeutet und wird dadurch zivilisatorisch und demokratiepolitisch höchst unerquicklich.
7. Die Medienlogik
Journalismus belohnt Konflikte. Eine junge Frau gegen ältere Feministinnen ist eine bessere Geschichte als Frauen, die gemeinsam über Macht, Recht und Demokratie nachdenken.
8. Die patriarchale Spiegelung
Patriarchale Kulturen mussten Frauen nie nur unterdrücken; oft genügte es, Konkurrenz zwischen Frauen zu fördern. Die öffentliche Abwertung anderer Frauen reproduziert diese alte Logik.
9. Die Gegenwartsblindheit
Viele Debatten beginnen so, als hätte es keine feministische Geschichte gegeben. Rechte, Freiheiten und Errungenschaften erscheinen selbstverständlich und werden nicht mehr als Ergebnis jahrzehntelanger Kämpfe diskutiert und die Erkenntnis schwindet, dass wie in Afghanistan nach 20 Jahre Freiheit für Frauen, Mädchen und Frauen sofort vernichtet werden können. Gleichberechtigung bleibt ein Kampf und verliert momentan durch die Auslöschung von Frauen als leibliche Wesen grad unfassbar an Boden.
10. Die Urteilskraftsthese
Wo Zuordnung die Auseinandersetzung ersetzt, verlieren Inhalte an Unterscheidungskraft. Wenn Identität Gleichberechtigung und Freiheit ersetzt, dann landen wir in totalitären Sprechaktsystemen.
Tipp von laStaempfli (nur noch bis zum 13. auf 3Sat Mediathek):
Bild: Schaukausten der wunderbaren Ausstellung in der St. Galler Stiftsbibliothek St. Gallen: “Frauen. Weibliche Lebenswelten im Mittelalter.” Schlechte Fotographie von laStaempfli (ohne Blitz).